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Wurzeln von Ulrike Meinhof reichen bis nach Halle Ein Beitrag von Martin Schramme Hinweis: Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Jede Form der Weiterverbreitung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung durch den Verfasser. HALLE. Die familiären Wurzeln der Journalistin und RAF-Terroristin Ulrike Meinhof führen bis nach Halle. Unter anderem ihr Vater Werner und ihr Großvater Johannes waren Hallenser. Ihre Gräber und die Gräber von etlichen weiteren Familienmitgliedern sind auf dem Laurentius-Friedhof in Halle zu finden. Das für Halle zweifellos namhafteste Mitglied ist Johannes Meinhof, der bei St. Laurentius mit einem „Ehrengrab“ bedacht ist, wie etwa auch der Theologieprofessor August Hermann Franke, der Bildhauer Gustav Weidanz oder der Botaniker Kurt Sprengel. Vor 150 Jahren wurde der spätere Superintendent von Halle in Barzwitz bei Rügenwalde in Pommern (heute Polen) geboren. Nach seiner Ordination in Breslau 1884 kam er nach Halle, wo er ein Jahr später Mathilde Köstlin, Tochter des Kirchenhistorikers und Mitbegründers des „Vereins für Reformationsgeschichte“ Julius Köstlin, ehelichte. Von 1896 bis 1930 war er Pfarrer von St. Laurentius - seine Dienstwohnung war die Breite Straße 29 - und seit 1918/19 zudem Chef der evangelischen Kirchen der Stadt (Superintendent). Wohnhaft in der Feuerbachstraße 8 verstarb er im November 1947 in Halle an Altersschwäche. Am frühen Nachmittag des 14. Novembers wurde er beerdigt. Mit seiner 1908 verstorbenen ersten Frau teilt er seine letzte Ruhestätte. Johannes Meinhof hatte zwölf Kinder. Eines davon war Werner Meinhof, der spätere Vater von Ulrike Meinhof. 1901 geboren wuchs Werner in Halle auf und heiratete im Dezember 1928 Ingeborg Guthardt, die 1949 an Krebs starb. Werner Meinhof, der später aus beruflichen Gründen erst nach Oldenburg und dann Jena ging, studierte in Halle bei Kunsthistoriker Paul Frankl. Von Meinhof erschien in Halle die kulturhistorische Schrift „Der Rote Turm 6 - Adolf Senff. Ein Maler der Biedermeierzeit“ beim Traditionsverlag Gebauer-Schwetschke. Meinhof soll nach Hitlers Machtantritt 1933 einer Widerstandgruppe (Frankl-Kreis) angehört haben, welche die Propaganda von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels publizistisch als „Werk des Teufels“ offen angriff. Es wird aber auch berichtet, dass er bereits im Mai 1933 der NSDAP beitrat. Ferner soll Werner Meinhof mit der Religionsgemeinschaft „Gottesbund Tanatra“, die unter anderem für die Freiheit der Sexualität eintrat, sympathisiert haben. Ein Krebsleiden an der Bauchspeicheldrüse endete für ihn am Vormittag des10. Februar 1940 mit dem Tod. In der Zeitung "Hallische Nachrichten" erschien am 13. Februar ein kurzer Nachruf, in dem er als verdienstvoller Direktor des Stadtmuseums Jena, an das man ihn 1936 berief, gewürdigt wurde. Dass Werner Meinhof in Halle begraben ist, war Wunsch seines Vaters. Seine Witwe Ingeborg Meinhof hatte schließlich im Weltkrieg zwei Kinder, Wienke und Ulrike, alleine durchzubringen. Die Kinder waren in der Zeit oft bei Verwandten in Halle. Neben den Gräbern von Johannes und Werner Meinhof sind auf einem weiteren Grabstein die Namen von Käte, Dorothea, Friedrich und Christfried Meinhof zu lesen. Käte arbeitete für die Berliner Mission nicht zuletzt in China, wo es um die Evangeliumsverkündung und schließlich um die Selbstständigkeit christlicher Gemeinschaften ging. An Friedrich und Christfried wird nur erinnert. Erst 22jährig ist Hans-Christfried Meinhof als Unteroffizier 1940 in Frankreich gefallen. Friedrich starb als Oberleutnant der Luftwaffe 1941 bei Lakselv im Norden Norwegens. Beide sind in den Ländern begraben, in denen sie starben. Dorothea Meinhof (geborene Schmitz) war Johannes‘ zweite Frau. Die genannten Verstorbenen sind im Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen erfasst. Ein Exemplar ist im Besitz der Marienbibliothek in Halle. Dass die Meinhof-Gräber in Halle - darunter auch das von Dorothee Stammler (geborene Meinhof), Frau des Rechtsphilosophen Gerhard Stammler (1898-1977) - bis heute auf St. Laurentius erhalten sind, darum kümmert sich Eberhard Meinhof, der Sohn von Friedrich Meinhof und jüngste Enkel von Johannes Meinhof. SN erreichte ihn telefonisch im Rheinland. Von 1942 bis 1960 hat Eberhard Meinhof in Halle gelebt, dann siedelte er in die Bundesrepublik über. Er besuchte die Wittekindschule. Von 34 Kindern hatte dort nur noch eins einen Vater, berichtet er über die traurigen Folgen des Zweiten Weltkrieges. Weil er die Junge Gemeinde, eine kirchliche Einrichtung besuchte, habe er in der Schule Nachteile gehabt. Als während seiner Lehrzeit bei der Energieversorgung Halle die Berufsschule beschloss, dass sich zum 7. Oktober 1960 (Gründungsjubiläum der DDR) alle freiwillig zur Volksarmee melden (damals war die NVA tatsächlich noch keine Pflicht), war für ihn das Maß überschritten. Dass er als Kind eines im Krieg gefallenen Vaters den Dienst an der Waffe ablehnte, war auf wenig Verständnis gestoßen. Eberhard Meinhof verließ die DDR kurz vor dem Mauerbau über Westberlin. Seine Bruder, ein Theologe, und seine Mutter, blieben in Halle. Erst 1983 konnte er seine Mutter in den Westen nachholen. Nach der Amnestie für die DDR-Flüchtlinge kam Eberhard Meinhof seit 1965 regelmäßig in seine Heimatstadt. Bis heute ist das so. Zwei bis drei Mal pro Jahr ist er hier. „Ich bin begeisterter Hallenser“, sagt er und wie er über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten schwärmt, ist Beweis genug. Gerade erst war er zu den Händelfestspielen in der Stadt. Heute gibt es in Halles Telefonbuch kein „Meinhof“ mehr. Das war früher anders. Die Familie war groß. So war ein gewisser Dr. Heinrich Meinhof 40 Jahre Arzt in Halle. Doch auch er verließ 1960 die DDR gen Westen. Und Ulrike Meinhof? Der linksgerichteten Zeitschrift „konkret“, für die sie einige Jahre arbeitete, werden DDR-Kontakte nachgesagt. Sogar finanzielle Unterstützung soll es gegeben haben. Eberhard Meinhof, hat seine überaus kluge und sozial denkende Cousine, die später in das Terrornetzwerk der RAF abglitt, 1965 zuletzt gesehen. Auf dem Kirchentag in Köln sei man sich begegnet, wo sie mit dem Physiker und Friedensforscher Carl Friedrich von Weizsäcker auftrat. Nicht ihrem Tod 1976 wurde Ulrike Meinhof in Berlin beigesetzt. Nicht vollständig, wie im Herbst 2002 aufgrund von Nachforschungen der Meinhof-Tochter Bettina Röhl herauskam. Das Gehirn war entnommen und zu wissenschaftlichen Untersuchungen jahrzehntelang in Formalin aufbewahrt worden. Grund für das Interesse war die Annahme, dass mit der Tumor-OP Meinhofs eine Wesensveränderung einhergegangen sein könnte, die schließlich zur RAF führte. Zuletzt lagerte des Gehirn in einer Klinik in Magdeburg. Den Professoren wurde nach Bekanntwerden der Tatsachen von einer Ethik-Kommission untersagt, weiter an dem Gehirn zu forschen oder ihre bisherigen Forschungen zu publizieren. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart forderte das Gehirn von den Professoren zurück, ließ es einäschern und die Asche Angehörigen übergeben. Am 22. Dezember 2002 wurde die Asche ebenfalls auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in Berlin beigesetzt.
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