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Die Region Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt war einst - neben dem Ruhrgebiet - die Industrieregion des Deutschen Reiches. Wegen der vergleichsweise langsamen Modernisierung der Anlagen und der niedrigen Reinvestitionsquote sowie der im internationalen Maßstab mittelmäßigen Arbeitsproduktivität in der DDR (1949-1990) blieben die Großbetriebe oft inklusive ihrer technischen Anlagen aus den 1920er und 1930er Jahren bis 1990 erhalten. Der massive Umbruch seit der Angliederung der DDR an die Bundesrepublik Deutschland hat aus verschiedenen Gründen die massenhafte Stilllegung dieser DDR-Wirtschaftsbetriebe bewirkt. So sind die Industriebrachen zahlreich. Wie Zeugnisse aus einer anderen Zeit stehen sie herum und verfallen und noch immer sind die Bestände beachtlich, wenn man bedenkt, dass viele Anlagen bereits abgerissen wurden (Stand: 03.2010). Neben vielen traurigen Beispielen gibt es hier und da aber auch Hoffnung und Vereine und Initiativen, die die Rettung alter Bauwerke vorantreiben. Doch es gibt noch viel zu tun, vor allem in Zeitz.
Artefakte-Legende:
Allstedt,
Angersdorf,
Arendsee,
Aschersleben,
Bernburg,
Bitterfeld,
Dessau,
Dresden,
Eisleben,
Erdeborn, Etzdorf,
Gerbstedt,
Halle,
Helbra,
Hettstedt,
Hohenthurm,
Holleben,
Klobikau,
Klostermansfeld,
Köchstedt, Köthen,
Könnern
Krumpa,
Leipzig,
Magdeburg [NEU],
Merseburg,
Muldenstein,
Oranienbaum,
Pouch,
Prora (Insel Rügen),
Querfurt,
Radebeul,
Röblingen am See,
Salzmünde,
Sangerhausen,
Schafstädt, Schraplau,
Schönebeck [NEU],
Teutschenthal,
Wansleben am See,
Weißenfels,
Wüsteneutzsch,
Zeitz
Wansleben am See
Georgi-Schacht (Kali)
Eigentlich wurde nach Kupferschiefer gebohrt, doch die Bergleute stießen in Wansleben am See auf Kalisalz 1896. Wegen der Mächtigkeit des Flözes wurde die Lagerstätte zwei Jahre später aufgeschlossen. Der Georgi-Schacht nahm schließlich als erstes Kaliwerk der Mansfeld-Gewerkschaft den Betrieb auf. Das Kalisalz wurde in Wansleben weiterverarbeitet. 1925 war der Schacht aus Kalischacht ausgebeutet. Er sollte erst während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) wieder Bedeutung erlangen.
Wie der ehemalige Häftling Geoffroy de Clercq (Frankreich) berichtet, musste er vom Frühjahr 1944 bis Frühjahr 1944 Tunnel und Räume graben in das Salz von Wansleben. In den ausgebauten Schächten seien später Motoren für Flugzeuge der Deutschen Luftwaffe gebaut worden. (Quelle)
Die Bauarbeiten an der Untergrundfabrik für die Maschinenfabrik Christian Mansfeld GmbH (Leipzig-Paunsdorf) wurden im März 1944 gegonnen. Mit der Durchführung und Überwachung des Baus war der SS-Führungsstab A6 betraut. Zu den Arbeiten herangezogen wurden Häftlinge des KZ-Buchenwald. Im Schnitt waren 1400 Häftlinge im Einsatz. Gebaut wurden Flugzeugteile, Granatteile sowie Teile für die Mittelstreckenraketen V1 und V2. Am 11./12. April 1945 wurde das Lager evakuiert. Die amerikanischen Truppen waren herangerückt. Am 14. April befreiten die Amis das Außenlager Wansleben des KZ Buchenwald (Decknamen Mansfeld, Biber II, A6 und Wilhelm).
Derweil wurde der Kalischacht nicht nur militärisch genutzt, sondern auch um kostbare Literatur vor Bombenangriffen zu schützen. So wurden bedeutende Bücher aus dem Bestand der Leopoldina im nahen Halle nach Wansleben am See und unter Tage gebracht.
1946 wurden die Zugänge zu den unterirdischen Schächten teilweise gesprengt. Da keine Wasserhaltung mehr betrieben wurde, liefen die Schächte mit Wasser voll. Bis 1983 wurden die Zugänge verfüllt und der zentrale Schacht mit einer großen, achteckigen Stahlbetonplatte versiegelt.
2006 wurde der Verein zur Aufarbeitung der NS-Gewaltherrschaft Mansfelder Land / Salzbergwerk Neu Mansfeld / Georgi e.V. gegründet. Er verfolgt große Pläne und will die alten Bergwerks- und Bunker-Anlagen wieder herrichten.
Mai 2011: Vom Schacht Georgi sind nur Trümmer - Stahlbeton und Klinkersteine - übriggeblieben. Zu erkennen sind trotzdem noch die ungefähre Lage der Hauptgebäude und Förderanlagen sowie der Gleisanschluss an der Strecke Halle-Kassel. An Resten der Schachtanlagen sind Sprenglöcher zu erkennen.
Auf dem 1946 errichteten Mahnmal für die Opfer des Faschismus steht: "Sie haben Euch gemordet, aber Ihr lebt in uns
und durch uns für ein freies Deutschland. Den Opfern des Faschismus 1933-1945". Genannt werden beispielhaft KZ-Standorte,
auf drei Seiten einer Stele und Wansleben erscheint auf der Rückseite. Das sind die Orte:
Gross-Rosen, Plaszow (Polen, spielte im Film "Schindlers Liste" eine Rolle), Esterwegen, Torgau, Fuhlsbüttel, Celle, Wilhelmsburg, Dora,
Aschend Moor, Wilna (Litauen), s'Hertogenbosch (Niederlande), Amersfoort (Niederlande), Neckarelz, Kiel-Rousse, Birkenau (Polen), Riga (Lettland), Natzweiler,
Cottbus, Wansleben, Politz (Außenlager von Sachsenhausen in der Tschechoslowakei), Landsberg, Kowno (pikanter Weise
der russische Name für Kaunas/Litauen), Flossenburg, Ebensee, Hintzert (bei Trier), Buchenwald (bei Weimar), Auschwitz (Polen),
Dachau, Sachsenhausen, Mauthausen, Stutthof (Polen, bei Danzig), Neuengamme, Lublin (Polen), Bergen-Belsen, Theresienstadt, Maidanek (Polen), Ravensbruck,
Gusen (Österreich, bei Linz), Kiel-Hasse. Vermerkt sind außerdem Aufsteller und Aufstellungsjahr: Errichtet vom Mansfelder Seekreis 1946
Anmerkung: Die Klammerausdrücke hinter den Ortsnamen sind Erklärungen, die auf der Gedenksäule nicht zu finden sind.
Konkretere Hinweise auf das KZ-Außenlager Wansleben sind auf dem Friedhof in Wansleben am See zu finden. Gleich links neben dem Eingang führt eine Treppe zu einer Reihe Gräber, in deren Mitte sich ein Gedenkstein (ein roter Stein mit weißer Ofentür als stilisiertes Krematorium gekrönt von einer abgebrochenen schwarzen Säule). Der Sockel ist quaderförmig und so gedreht, dass zwei Seitenflächen jeweils diagonal zu den Gräbern stehen. Auf der Ofentür steht "regrets". Auf dem roten Stein sind die Namen der Toten teilweise nicht mehr zu erkennen. Zu erkennen sind aber folgende Namen: Kamorsky Stanislaus, Leon Jezserski, Ignacy Barezak, Dr. Edmund Kubis, Kazimierz Wulczak, Adam Chudzia und Antoni Jaskolski. Außerdem ist sieben Mal "namenloser Häftling" zu lesen. Den Namen nach zu urteilen, handelt es sich mehrheitlich um Polen. Vom Eingang aus gesehen in der äußersten rechten Ecke des Friedhofs befindet sich ein weiterer Grabstein: "Ihr bleibt unvergessen Michail Worobjew, Wladimir Soliwon, Stanislaw Wozniak, Ghiandi Ottorino und weitere unbekannte Opfer des Faschismus".
Schacht Neumansfeld (Kali, 1910-1925)
Im 1910 getäuften Schacht Neumansfeld (Gewerkschaft Ernsthall) am Kerner See bei Wansleben am See wurde Kalisalz abgebaut.
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