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Artefakte - Welt von gestern in der Region Halle Saale
Fotos: Martin Schramme / Urheberschutz / keine Verwendung ohne Nachfrage!
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letzte Änderung am 04.11.2011 | weitere Bilder folgen

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Die Region Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt war einst - neben dem Ruhrgebiet - die Industrieregion des Deutschen Reiches. Wegen der vergleichsweise langsamen Modernisierung der Anlagen und der niedrigen Reinvestitionsquote sowie der im internationalen Maßstab mittelmäßigen Arbeitsproduktivität in der DDR (1949-1990) blieben die Großbetriebe oft inklusive ihrer technischen Anlagen aus den 1920er und 1930er Jahren bis 1990 erhalten. Der massive Umbruch seit der Angliederung der DDR an die Bundesrepublik Deutschland hat aus verschiedenen Gründen die massenhafte Stilllegung dieser DDR-Wirtschaftsbetriebe bewirkt. So sind die Industriebrachen zahlreich. Wie Zeugnisse aus einer anderen Zeit stehen sie herum und verfallen und noch immer sind die Bestände beachtlich, wenn man bedenkt, dass viele Anlagen bereits abgerissen wurden (Stand: 03.2010). Neben vielen traurigen Beispielen gibt es hier und da aber auch Hoffnung und Vereine und Initiativen, die die Rettung alter Bauwerke vorantreiben. Doch es gibt noch viel zu tun, vor allem in Zeitz.

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Ostrau | Werderthau (Saalekreis)

Ausweichführungsstelle "Fasan" in Werderthau/Ostrau (Stasi-Bunker)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme
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Am Rande von Werderthau mitten in einem dichten Wald, auf der vielfach gewellten Erhebung namens Hoppberg und gegenüber einer Kiesgrübe befinden sich die betonierten Relikte der Ausweichführungsstelle (AFüst) "Fasan" des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Die Stasi-Bezirksverwaltung Halle sollte das Objekt im Ernstfall nutzen. Dass der DDR-Geheimdienst offenbar unter übersteigerten Angstpsychosen litt, zeigt die Anlage des Fuchsbaus, die sehr weitläufig und verwinkelt angelegt, gut getarnt und mit zahlreichen Notausstiegen versehen ist. Im dem hinter verwinkelten Räumen, Kellern und auch elektronisch gesicherten stählernen Schleusentüren am Ende eines über 20 Meter langen, verbogenen Ganges gelegenen Bunker, der über zwei gut getarnte breite Treppen von rechts und links erreichbar war, steht auch im Jahr 21 nach dem Ende der Ernstfallübung ein kriegstaugliches Wasseraufbereitungs- und Klimasystem deutscher und russischer Bauart. In den zwei Mal acht langen Kammern rechts und links eines doppelten Mittelganges sowie den ringsum angegliederten Räumen für Toiletten und Versorgungstechnik sind nur noch Reste der Ausrüstung. Schrottdiebe haben wenig übrig gelassen. An den teilweise mit faustdicken, gekreuzten Vierkantstahlträgern gesicherten Stahlbetondecken hängen Tropfen. In den Kellern steht zum Teil Wasser, der Bunker aber ist noch immer trocken. Schon weitgehend überwuchert und zugemüllt sind die vier größeren, überirdischen Gebäude unter und hinter denen sich die unterirdische Stasizentrale erstreckt. Die Betonpfähle des einst weiträumig mit Maschendraht abgesperrten Areals stehen noch. Nur ein kurzes Stück Maschendraht hat die vielen Jahre überstanden. Es trennt die überirdisch bebaute Fläche vom Bunker. Von den einstigen Maulwurfarbeiten der Baubrigaden künden nur verräterische, mit Gras und Moos begrünte Aufbauten - Notausstiege und Belüftungsschächte.
1968 bis 1973 wurde das erste Mal gebaut, in den 1980er Jahren die Technik teilweise modernisiert, wie ein Typenschild an der Wasseraufbereitungsanlage beweist. Das Objekt glich einer Obstplantage, wurde aber laut Stasi-Unterlagen offiziell als "Notwasserversorgungseinrichtung" bezeichnet. Dass sich unter den Gewächshäusern des Areals Bunkerzugänge befanden, war ein gut gehütetes Geheimnis. Im Ernst- oder Krisenfall sollten Partei-, Staats- und Sicherheitsorgane der DDR Ausweichquartiere beziehen, von wo aus sie ungestört weiter arbeiten können. Für Halle befanden sich weitere Objekte in Neutz-Lettewitz, Rothenburg/Saale, Wettin, Landsberg, Merbitz und Beesenstedt.
Im Herbst 1989 war der Krisenfall da, aber er verlief ganz anders als geplant und endete mit der Auflösung der SED und der Stasi. Anfang 1990 beantragten unter anderem der Großhandel des Bezirkes Halle, der Rat der Gemeinde Ostrau und der VEB Natursteinkombinat Halle, das Gelände nutzen zu können. Letztlich übernahm des Bundesvermögensanstalt das Stasi-Objekt. Der Bund verwaltete in der Regel alle militärischen und staatlichen Anlagen der DDR. Viele wurden abgerissen oder verkauft, doch Ostrau wurde offenbar vergessen und aufgegeben. Denn es gibt keinerlei Zutrittsverbote oder Absperrungen. So kommen oft Neugierige, darunter auch Freunde des Geocaching (moderne Schatzsuche mit GPS). verfasst von Martin Schramme im August 2011

architektonischer Aufbau des Objekts
zwei Wohnhäuser, Garagen, Werkstatt, Tanklager

Stichpunkte zur technischen Ausrüstung der Anlage
Wofatit = Wolfener Farbenfabrik Permutit-Ersatz
Dieser Kunstharz-Ionenaustauscher wurde erstmals in den 1930er Jahren bei I.G. Farben in Bitterfeld hergestellt. Er dient der Aufbereitung von Trink- und Brauchwasser.

Warmwasserbehälter vom Behälterbau Neuruppin, Baujahr 1982
VEB Kombinat Nagema, Behälter- und Maschinenbau Mittweida, Baujahr 1974
VEB Nachrichtenelektronik Greifswald
VEB Elektro-Apparate-Werke Berlin-Treptow (EAW)
VEB Gerätewerk Karl-Marx-Stadt

Fernkabel SonderOrtsKabel (SOK) = Stabsnetz der Partei- und Staatsführung der DDR und der bewaffneten Organe laut Beschluss von 1977

Lage der Anlage (Google Earth kml-Datei)
mehr zur Fasan-Anlage 1
mehr zur Fasan-Anlage 2

Dringender Hinweis für neugierige Bunkerforscher: Die Anlage ist alt, dunkel und steht teilweise unter Wasser. Wer hineingeht, sollte sich der damit verbundenen Gefahren bewusst sein. Es handelt sich ferner um ein Stück Geschichte. Leider wurde das Objekt weitgehend ausgeplündert und teilweise zerstört. Derlei Umtriebe sind auf Schärfste zu verurteilen. Der Autor dieser Zeilen respektiert zu jeder Zeit, dass niemand das Recht hat, Geschichte zu zerstören (außer) die Natur, ist allerdings der Auffassung, dass Geschichte von interessierten Hobbyhistorikern und Fotokünstlern dokumentiert werden soll.

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