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URBEX: Artefakte - Welt von gestern in der Region Halle Saale

Fotos: Martin Schramme | Bitte beachtet das Urheberrecht! letzte Änderung: 28.03.2012

Die Region Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt war einst - neben dem Ruhrgebiet - die Industrieregion des Deutschen Reiches. Wegen der vergleichsweise langsamen Modernisierung der Anlagen und der niedrigen Reinvestitionsquote sowie der im internationalen Maßstab mittelmäßigen Arbeitsproduktivität in der DDR (1949-1990) blieben die Großbetriebe oft inklusive ihrer technischen Anlagen aus den 1920er und 1930er Jahren bis 1990 erhalten. Der massive Umbruch seit der Angliederung der DDR an die Bundesrepublik Deutschland hat aus verschiedenen Gründen die massenhafte Stilllegung dieser DDR-Wirtschaftsbetriebe bewirkt. So sind die Industriebrachen zahlreich. Wie Zeugnisse aus einer anderen Zeit stehen sie herum und verfallen und noch immer sind die Bestände beachtlich, wenn man bedenkt, dass viele Anlagen bereits abgerissen wurden (Stand: 03.2010). Neben vielen traurigen Beispielen gibt es hier und da aber auch Hoffnung und Vereine und Initiativen, die die Rettung alter Bauwerke vorantreiben. Doch es gibt noch viel zu tun, vor allem in Zeitz.

Ortsliste

Artefakte-Legende: Allstedt, Angersdorf, Arendsee, Aschersleben, Bernburg, Bitterfeld, Dessau, Dresden, Eisleben, Erdeborn, Etzdorf, Gerbstedt, Halle I, Halle II, Harz, Helbra, Hettstedt, Hohenthurm, Holleben, Johannashall, Klobikau, Klostermansfeld, Köchstedt, Köthen, Könnern, Krumpa, Magdeburg, Merseburg, Muldenstein, Oranienbaum, Ostrau, Pouch, Prora (Insel Rügen), Querfurt, Radebeul, Röblingen am See, Rothenburg an der Saale, Salzmünde, Sangerhausen, Schafstädt, Schraplau, Schierke, Schkeuditz, Schönebeck, Teutschenthal, Wansleben am See, Weißenfels, Wüsteneutzsch, Zeitz

Leipzig (Freistaat Sachsen)

Motorenwerk und Heeresbäckerei (Olbrichtstraße in Leipzig-Möckern, früher Heerstraße)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Panzerkassenfabrik C. Rob. Drechsler & Wagner Harthau bei Chemnitz
Gegründet 1867

2011 war das Areal schon sehr in Mitleidenschaft gezogen, als historischer Ort aber noch immer sehr interessant. So befand sich in einem Gebäude ein Panzerschrank mit der Inschrift "Panzerkassenfabrik C. Rob. Drechsler & Wagner Harthau bei Chemnitz Gegründet 1867". Das Unternehmen Drechsel & Wagner war eine Tresorbau, Panzerkassen-Kassetten- und Kopierpressen-Fabrik.

"Löffelfamilie" vom VEB Feinkost Leipzig (Braustraße)

Foto: Martin Schramme kultige DDR-Leuchtreklame
Foto: Martin Schramme Ziffernblatt an der Seitenwand des Gebäudes
Foto: Martin Schramme

geschichtliche Hintergründe

Bahnbetriebswerk Leipzig-Wahren

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Zur Erinnerung an die Jochmontage im Bahnbetriebswerk (Bw) Leipzig-Wahren wurde 2009 eine Zufahrt zum Unterwerk Leipzig-Wahren Jochmontagestraße genannt (Gleisjoch = vormontierte Einheit von meist zwei gleichlangen Schienensträngen).

Video über das Bahnbetriebswerk

Möbelwerke Leipzig (Werk II Böhlitz-Ehrenberg)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Die VEB Möbelwerke Leipzig, Werk 2, Böhlitz-Ehrenberg stellten zu DDR-Zeiten verschiedene Massenbedarfsgüter her.

Polygraph Reprotechnik (Polygraph Graphische Geräte GmbH, Leutzsch)

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Die Polygraph Komponenten- und Gerätebau GmbH entwickelt, produziert und fertigt am traditionellen Standort in Leipzig. Das Unternehmen wurde 1991 aus den Strukturen des ehemaligen Polygraph Kombinats und des VEB Polygraph Reprotechnik heraus, gegründet. Heute arbeiten etwa 50 Mitarbeiter in der Metall- und Blechfertigung, im Gerätebau und der -konstruktion sowie im Produktvertrieb und -service von Grafischen Anlagen und Geräten. Link zum Unternehmen heute / weitere Bilder

Schaumgummiwerk VEB ELGUWA (Leutzsch)

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1947 ging die Flügel & Polter KG auf der Grundlage des Volksentscheids vom 30. Juni 1946 in Eigentum des Landes Sachsen über und änderte ihren Namen in Leipziger Gummiwarenfabriken, Zweigbetrieb der Industrieverwaltung 28, später VEB Leipziger Gummiwarenfabriken. 1950 erfolgte die Angliederung des VEB Vulkan Gummiwerk Leipzig. Von 1968 an nannte sich der Betrieb VEB Elguwa Leipzig. Er unterstand seit 1970 dem VEB Kombinat Elbit (Gummiwerk Elbe, Wittenberg) und ab 1979 dem VEB Kombinat Plast- und Elastverarbeitung Berlin. 1980 übernahm er die Leipziger Produktionsstätte des VEB Galfütex Schmölln und den VEB Keilriemenwerk in Böhlitz-Ehrenberg. Nach 1990 wurde das Unternehmen in die Elguwa Leipzig GmbH umgewandelt. Die Firma war sehr erfolgreich, weil sie der einzige Hersteller von Sitzpolstern für Autos in der DDR war.

Sternburg-Brauerei (Stand 2010: zum Abriss vorgesehen)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Die Tradition der Sternburg-Brauerei Leipzig reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die industrielle Bierproduktion am Standort Leipzig-Lützschena begann 1883 mit der Dampfbrauerei Sternburg. In der DDR hatte das enteignete Unternehmen am abgebildeten Standort zuletzt VEB Brau- und Malzkombinat Sternburg Lützschena, Werk I geheißen. Mit dem Verkauf des Unternehmens 1991 an Sachsenbräu war auch das Ende der Produktion in Lützschena besiegelt.

Karipol (Globus Werke Leipzig)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

In der Limburgstraße Eche Klingenstraße in Leipzig-Plagwitz fällt dieser Gebäudekomplex auf. Über dem Eingang steht Autopflegemittel Karipol und daneben steht eine Steinfigur - ein starker Mann, der kniet und eine Kugel trägt. Wie passt das zusammen? Nun es handelt sich um eine 1897 errichtet Fabrik.
Das geschütze Warenzeichen Karipol gibt es heute noch bei der Firma ARDOS in Espenhain (Sachsen).

Körting & Mathiesen AG (Leutzsch)

Foto: Martin Schramme

1889 wurde die Firma Körting & Mathiesen AG in Leipzig gegründet. Die produzierten Waren umfassten Elektromechanik, Transformatoren und Beleuchtungstechnik. Marktführend war die Körting & Mathiesen AG bei der Herstellung von Bogenlampen für Straßenbeleuchtungen. Ab 1923 begann sie außerdem mit der Fertigung von Kleintrafos, Drosselspulen und Stromversorgungsgeräten für die Funk- und Rundfunktechnik. Ab 1932 wurden auch Radios produziert.
Nach der erst 1948 erfolgten Enteignung des Werkes in Leipzig ging Oswald Ritter mit einem kleinen Mitarbeiterstab in den Westen und gründete dort 1949 die Körting Radio Werke GmbH mit Stammsitz in Grassau im Chiemgau.
Der Betrieb im Osten wurde zum VEB Funkwerk Leipzig. 1964 wurde er zum VEB Fernmeldewerk Leipzig. Zuletzt hieß er VEB RFT Nachrichtenelektronik Leipzig "Albert Norden", Betrieb des VEB Kombinat Nachrichtenelektronik.

Leipziger Baumwollspinnerei

Foto: Martin Schramme

Rauchwarenfabrik "Kniesche" (Auensee)

Rauchwarenfabrik "Kniesche" / Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Die Sanierung der ehemaligen Rauchwarenfabrik "Kniesche" im Rahmen des Projekts "Wendische Höfe" wird seit 2008 vom halleschen Immoblienunternehmen Weißenburger Wohnbau betrieben.

Elida AG (Georg Schicht AG, Unilever)

Elida AG / Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme

Die Aufschrift dieses Gebäudes in der Pittlerstraße in Leipzig-Wahren zum Zeitpunkt der Aufnahme 2010 verrät ein Stück Industriegeschichte: Parfümerie Elida Aktiengesellschaft Leipzig und VEB Goldeck Schokoladenfabrik Werk II.

Elida: 1925 kamen Österreicher mit ihrer Seifenfabrikation Elida AG nach Leipzig (Gründer: Georg Schicht), die sie 1916 in Wien aufgekauft hatten. (Elida ist eine Wortschöpfung aus dem Begriff "ideal".) 1931 übernahm die "Sunlicht-Gesellschaft AG" Elida samt 300.000 Reichsmark Schulden. Ein Jahr später wurden beide Unternehmen miteinander verschmolzen. 1936 wurde die Produktion von Leipzig nach Mannheim verlagert. Das Leipziger Adressbuch von 1936 beinhaltet den Eintrag Sunlicht-Gesellschaft AG, Elida-Werk (Pittlerstraße 33). Unter der gleichen Adresse sind auch zu finden Mitteldeutsche Seifenfabrik GmbH und Mitteldeutsche Seifenfabriken AG. 1949 ließ Unilever (Eigner von Sunlicht) die alten Elida-Parfümerie-Artikel wieder aufleben.
2011 war das Unternehmen Elida-Gibbs GmbH (Unilever-Konzern) als Lieferant von Drogerien- und Apothekenbedarf in der Ballinstr. 15 in Berlin eingetragen. Auch war das Unternehmen mit einem Eintrag Alter Postweg 25 in Buxtehude zu finden. In beiden Fällen handelt es sich um alte Unternehmensstandorte. Heute gehört Elida Gibbs zu den Top 3 der deutschen Zahnpastahersteller.

Goldeck: Die 1992 gegründete Goldeck Süßwaren GmbH betreibt heute das Zetti-Werk in Zeitz. Zurück geht die Unternehmensgeschichte bis 1821, als ein gewisser Wilhelm Felsche in Leipzig eine Konditoreiwarenhandlung gründete. 1835 begann Felsche das Cafe Francais am Augustusplatz, wo er mit Trinkschokolade punktete. 1949 zogen Felsches in den Westen. 1953 wurde das Unternehmen in Leipzig zum volkseigenen Betrieb (VEB) verstaatlicht. 1962 wurde Goldeck mit Empor zum VEB Leipziger Süßwaren-Betrieb zusammengelegt. Im Zuge der Kombinatsbildung kommen die Leipziger 1980 zum Süßwaren-Kombinat Halle/Delitzsch.

VEB Verlade- und Transportanlagen (VTA) Leipzig (ehemals Adolf Bleichert & Co.)

Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme Foto: Martin Schramme
Foto: Martin Schramme Die im historisierenden Stil verzierte Tür trägt
das Kürzel VTA, das für den Name des Betriebes
- Verlade- und Transportanlagen - steht.

1881 nahm das Unternehmen Bleichert Transportanlagen in der Kaiser-Friedrich-Straße die Produktion auf. Zum Januar 1954 wurde die SAG Bleichert Leipzig der DDR übergeben. Der Betrieb firmierte zunächst als VEB Bleichert Transportanlagenfabrik, 1955 als VEB Schwermaschinenbau Verlade- und Transportanlagen (VTA) Leipzig und 1973 als VEB Verlade- und Transportanlagen Leipzig Paul Fröhlich. Hergestellt wurden vor allem Tagebaugeräte für den Braunkohlenabbau und Dieselgabelstapler. Ab 1985 wurde der VEB VTA Stammbetrieb des VEB Schwermaschinenbaukombinat TAKRAF. 1990 wurde der Stammbetrieb privatisiert und in VTA GmbH umbenannt.
Seit Jahren steht der etwa 250x100 Meter große Produktionskomplex in der Lützowstraße 34 / Sammet-Straße in Leipzig-Gohlis leer und verfällt. Einem Hinweisschild im April 2010 zufolge gehörten der Habitare 2000 GmbH mit Sitz ihn Stuttgart zumindest Teile des Objekts. Literaturhinweis: Oliver Werner "Ein Betrieb in zwei Diktaturen: Von der Bleichert Transportanlagen GmbH zum VEB VTA Leipzig 1932 bis 1963" (Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Band 101), Stuttgart 2004.

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