Halle kreativ: Gestalten statt verwalten!
letzte Aktualisierung: 15.06.2011

Halle Saale ist eine Stadt auf den zweiten Blick. Halle hat Potenzial. Halle verpasst Chancen. Diese Sätze sind immer wieder zu hören - von Hallensern und Nicht-Hallensern. Diese Seite ist als Reaktion darauf zu verstehen. Hier macht sich der Herausgeber dieser Internetseite Gedanken, wie die Stadt (noch) schöner werden kann. Hier ist Platz für (neue) Ideen. Hier wird eine Stadt geplant ohne Stadtplaner und Politiker. Hier sollen Halles Problemzonen aufgegriffen werden.

Thema Nr. 1 Verkehr: Halle hat einen enormen Durchgangsverkehr einerseits und eine sehr enge Innenstadt andererseits. Seit vielen Jahren streiten jene, die eine autofreie Innenstadt wollen mit denen, die für Wirtschaft und Tourismus den Durchfluss verbessern wollen. Die Hauptverkehrsadern treffen sich am Riebeckplatz. Seit 2010 läuft nun eine neue Runde der Verkehrsentwicklungsplanung der Stadt Halle. (mehr dazu)

Streit um die Hochstraße: Streit gibt es seit einigen Jahren vor allem um die Ost-West-Achse, weil sie mit einer Hochstraße die Innenstadt zerschneidet. Eine Bürgerinitiative mobilisiert alle Kräfte, um die 1971 fertiggestellte Hochstraße spätestens in 20-30 Jahren loszuwerden. Seitens der Stadtverwaltung hat Bau- und Planungsdezernent Thomas Pohlack Ende 2009 erklärt, die Stadt könne sich den Abriss einer der zwei Hochstraßenbrücken vorstellen. Anfang 2010 erklärte hingegen Wirtschaftsdezernent Wolfram Neumann, dass die Abrissdiskussion eine akademische Diskussion sei und der Abriss nicht finanzierbar. Auch der ehemalige Baudezernent Wolfgang Heinrich ist dieser Ansicht. Im Frühjahr 2011 eskalierte der Streit um Sinn und Unsinn, Erhalt oder Abriss der Hochstraße. Als Antwort auf die Initiative für den Abriss des Bauwerkes gründete sich eine Gegeninitiative.

Thema Nr. 2 Einwohnerschwund: Innerhalb der 20 Nachwendejahre 1990 bis 2009 (20 Jahre) hat Halle 100.000 Einwohner verloren - vor allem durch Abwanderung, aber auch durch den enormen Geburtenrückgang. 2010 war sogar Halles Titel &größte Stadt Sachsen-Anhalts" in Gefahr. Magdeburg drohte vorbeizuziehen. Im Gegensatz zu der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts hat Halle jedoch Dank des für die Stadt vergleichsweise günstigen Verlaufs des Zweiten Weltkriegs (1939-45) eine an historischer Bausubstanz reiche Innenstadt. Das ist eine Chance, aber auch Teil des Problems. Nach dem Ende der DDR 1990 herrschte zunächst der Glaube vor, ein enormer Wirtschaftsaufschwung würde kommen. Stattdessen kam eine radikale Deindustrialisierung samt massivem Arbeitsplatzabbau. Die Folge: Keine Arbeitsplätze, keine Lehrstellen, Flucht. Damit war ein Problem der DDR gelöst: Es gab kein Wohnungsproblem mehr. Doch die anhaltende Abwanderung einerseits und die fortschreitende Sanierung vor allem der halleschen Altstadt andererseits sorgten bald für wachsenden Leerstand. Ende der 1990er Jahre spitzte sich die Situation so weit zu, dass beschlossen wurde, mit Steuermitteln in vielfacher Millionenhöhe leerstehende Gebäude abzureißen. 20 Jahre nach der Deutschen Einheit beschleunigte sich dieser Prozess nochmals. Inzwischen sind die Lücken im gesamten Stadtgebiet unübersehbar.

Hochhausabriss am Riebeckplatz: Hochhäuser am Riebeckplatz in Halle Saale - hallesche Architekten hatten deren Nutzung als 
Solarkraftwerke vorgeschlagen. Von 2010 bis 2011 wurde trotzdem der bereits 2004 gefasset Beschluss zum Abriss des Hochhauses
an der Leipziger Straße durchgeführt. Seit 2001 standen zwei Gleitkern-Stahlskelett-Hochhäuser, die in ihrer Art einmalig waren in der DDR, leer. Damals wurden sie mit dem vorgeblichen Ziel geräumt, sie zu sanieren. Bereits 2004 beschloss der HWG-Aufsichtsrat jedoch den Abriss (die HWG ist eine 100prozentige Tochter der Stadt Halle). Begründung: Sanierung zu teuer. Grundlage dafür war ein Gutachten der Firma Acerplan, die nach der Wende Nachfolgerin des einstigen Hauserbauerbetriebs BMK Chemie Halle ist. Der Hamburger Klinikunternehmer Ulrich Marseille hat wiederholt Kaufgebote für die Häuser abgegeben, die von der HWG unter fadenscheinigen Gründen abgelehnt wurden. Marseille zeigte die Steuergeldverschwendung bereits vor Jahren beim Landesrechnungshof Sachsen-Anhalt in Dessau an, doch die Landesbehörde hat sich einmal mehr als machtlos erwiesen.
Die öffentliche Diskussion um Abriss oder Erhalt wird seit Jahren mal mehr, mal weniger heftig geführt. So war die HWG gezwungen, das Thema noch einmal zu bearbeiten. Das kommunale Wohnungsunternehmen lobte einen internationalen Architekturwettbewerb aus und präsentierte in dessen Ergebnis Entwürfe für teure Prestigebauten. Zuletzt wurde ein so genannter Hochhaustisch zu dem Thema "Was sind uns die Hochhäuser wert?" inszeniert. Mit dem (gewünschten) Ergebnis: Am 25. Juni 2010 soll der Abriss des Nordturms beginnen, nachdem das Land nach langem Zögern Ende 2009 Fördermittel zugesagt hat. Seit 26. Mai laufen die Vorbereitungsarbeiten.
Die Kritiker sprechen von der Zerstörung markanter Bauwerke mit Denkmalcharakter und unterstellen, dass es der HWG von Anfang an nur um Abriss gegangen sei. In letzter Not hat sich Anfang 2010 eine Bürgerinitiative gegründet, die 10.000 Unterschriften für einen Volksentscheid sammeln will, um den Abriss in letzter Sekunde zu verhindern. Halles OB und die Mehrheit des Stadtrates hatten zuletzt wenig Initiative gezeigt, die Hochhäuser zu retten.
Im Juni 2010 begann der Abriss. Im November 2010 war das Hochhaus an der Leipziger Straße nur noch so hoch wie das benachbarte "Haus des Lehrers". Und das war im Februar 2011 das Finale der Abrissorgie.

Abriss am Steg: Drei Punkthochhäuser standen einmal in Halle Am Steg. 2011 wurde das letzte abgerissen. Dort, wo das Hochhaus stand, welches zuerst abgerissen wurde, eröffnet ebenfalls 2011 als Nachfolgebau die "Saaleklinik".

Mit Unterstützung der halleschen Stadtverwaltung von Dell abgerissen: 
Die altehrwürdige hallesche Zuckerfabrik. / Foto: Martin Schramme Thema Nr.3 Baudenkmale: Halle ist im Zweiten Weltkrieg keineswegs von Bomben verschont geblieben. Stark zerstört wurden unter anderem das alte Rathaus und das Grand-Hotel "Goldene Kugel". Beide Gebäude wurden zu DDR-Zeiten beseitigt. In den 70er und 80er Jahren hat Halle zahlreiche Altbauten verloren durch Abriss und Neubau. Auch nach der politischen Wende 1989/90 hat die Stadt beim Aufbruch in die neue Zeit wegen der Rückgabe von Gebäuden, wegen Immobilienspekulationen und wegen der streckenweise fehlenden Sensibilität von Hauseigentümern, Ämtern und Behörden weitere historische Gebäude verloren. Trotz des beachtlichen Aderlasses hat die Stadt noch immer zahlreiche Baudenkmale bzw. erhaltenswerte Altbausubstanz. Nach oft jahrelangem Leerstand und Verfall werden in den letzten Jahren allerdings mit wieder wachsendem Tempo Gebäude abgerissen. An ihrer Stelle sind vielfach privat vermietete Parkplätze entstanden.

Was vom Glanz der einstigen Industriestadt Halle übriggeblieben ist, beziehungsweise noch einige Jahre nach dem Ende der DDR und ihrer Betriebe stand, ist hier im Bild festgehalten.

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