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Halle Saale im Dritten Reich 30.01.1933 bis 08.05.1945 letzte Aktualisierung: 28.10.2011 Der Nationalsozialismus ist auch an Halle nicht spurlos vorbeigegangen. In Halle wurden Waffen hergestellt (u.a. Flugzeuge, Raketen, Giftgas), KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter gequält, Juden und Kommunisten verfolgt und deportiert wie in jeder anderen Stadt während der NS-Zeit. Halle hatte ein Außenlager des nicht zuletzt wegen seines prominenten Häftlings Ernst Thälmann bekannt gewordenen KZ Buchenwald. Und der Kopf der so genannten "Endlösung der Judenfrage", Reinhard Heydrich, war (leider!) ein Hallenser. Halle gehörte zum Gau Halle-Merseburg. Chronik 20.04.1932: Adolf Hitler spricht auf der Pferderennbahn vor 120.000 Menschen. 18.12.1932: Adolf Hitler ist Gastredner auf der Amtswalter-Versammlung des Gaues Halle-Merseburg der NSDAP in Halle. Er spricht im Stadtschützenhaus vor 2000 Leuten. 27./28.02.1933: SA- und SS-Leute überfallen den Volkspark, das Gewerkschaftshaus und den KPD-Sitz und verschleppen willkürlich Menschen, die sie im Unterschungsgefägnis, im Keller der Möbelhandlung Martick (Alter Markt) und in der Mühle der Firma Ronneburg (Mühlgraben 8/9) einsperren. 05.03.1933: Zu den Reichstagswahlen erhält die NSDAP im Stadtkreis Halle fast 44 Prozent der Stimmen. Die KPD als zweitstärkste Kraft bekommt rund 23 Prozent. 11.04.1933: Im Stadtschützenhaus werden die neuen Stadtverordneten, in der Mehrzahl NSDAP-Mitglieder, durch den neu eingesetzten Oberbürgermeister Johannes Weidemann eingeführt und verpflichtet. 12.05.1933: Auf dem Universitätsplatz in Halle werden Bücher verbrannt, die als undeutsch gelten. Halle ist eine von 70 Städten im Deutschen Reich, in denen 1933 Bücher brennen. Oktober 1933: Gauparteitag in Halle. 10.11.1933: Halle Universität bekommt den Name Martin Luthers. Luther ist wegen seiner schweren verbalen Angriffe gegen die Juden bei den NS-Oberen beliebt. 19.02.1934: Für das gesamte Deutsche Reich sind 400 Thingplätze als kultische Versammlungsorte germanischen Brauchtums geplant. In den Brandbergen von Halle-Kröllwitz erfolgt der erste Spatenstich für einen solchen Platz. 01.05.1934: Der Thingplatz in Halle mit über 5000 Plätzen wird übergeben. Zu dem Zeitpunkt gibt es zehn in Deutschland. 06.10.1934: Auf der Strecke Halle-Magdeburg wird ein Zug erstmals von einer E-Lok gezogen. 1934: Das Hauptwerk der Siebel-Flugzeug-Werke entsteht in Halle-Mötzlich. Eine alte Rüstungsstätte aus dem 1. Weltkrieg wird reaktiviert. 20.04.1937: Joachim Albrecht Eggeling wird neuer Gauleiter in Halle (Gau Halle-Merseburg). 10.11.1938: Die Synagoge in der Brauhausstraße wird geplündert, zertrümmert und in Brand gesteckt. Es ist kein Zufall, dass das am Geburtstag Martin Luthers passiert. Denn in seiner Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" von 1542 hatte er gefordert, dass man die Synogogen und Schulen der Juden verbrennen und mit Erde überhäufen, den Juden den Gang auf die Straße verwehren und sie aus dem Land werfen solle. 30.06.1939: Nachrichten-Einheiten beziehen in Halle Quartier. 01.10.1939: Panzerjäger beziehen in Halle Quartier. Sommer 1941: Alle Juden im Reich, auch in Halle, werden in Arbeits- und Wohnlager zwangsumgesiedelt und konzentriert. Das hallesche Lager befindet sich an der Boelckestraße. 1942: Um die Universitätsprofessoren Theodor Lieser, der seit 1939 für die deutsche Rüstungsindustrie geforscht hatte und jahrelang straffer Nationalsozialist war (1934 Eintritt in die SA, 1937 Eintritt in die NSDAP), und Walter Hülse bildet sich der Gesprächskreis "Anti-Nationalsozialistische Bewegung" (ANB). 1942: Halle steht auf einer Liste von 50 deutschen Städten, die der Chef des britischen Bomberkommandos, Arthur Harris, dem Erdboden gleich machen will. 04.06.1942: Der in Halle Saale geborene Leiter des Reichssicherheitshauptamts (RSHA), Reinhard Heydrich, stirb an den Folgen eines Anschlages auf ihn am 27. Mai in Prag. 19.09.1942: Die meisten der 90 Juden des Arbeits- und Wohnlagers an der Boelckestraße werden deportiert. 02.01.1943: Die fünfte SS-Baubrigade nimmt ihre Arbeit auf. Sie fertigt unter anderem Teile für die V-Waffen-Produktion. 1943: Aus Angst vor Luftangriffen beginnt die Leopoldina damit, ihren Bücherschatz in einem alten Kalistollen bei Wansleben am See einzulagern. siehe auch hier September 1943: Der Reichsjugendführer Artur Axmann ist zum "Tag der Wehrertüchtigung" in Halle. Juli 1944: Die Gestapo verhaftet den Arzt Walter Hülse wegen Kontakten zu den Verschwörern des 20. Juli (Attentat auf Hitler in Rastenburg). 07.07. und 16.08.1944: Die Siebel-Flugzeug-Werke im Nordosten der Stadt werden bei Luftangriffen massiv beschädigt, wo fieberhaft an dem Strahlflugzeug "DFS 346" gearbeitet wird. 27.02.1945: Die Amerikaner bombardieren Halle aus 314 Flugzeugen. 31.03.1945: 501. Fliegeralarm seit Kriegsbeginn - 369 "Fliegende Festungen" (B-17) werfen Bomben auf Halle. Auch das Rathaus und die Ratswaage werden schwer getroffen. 14.04.1945: Die amerikanische 104. Infantriedivision (Timberwolf) erreichen Halle-Kröllwitz. [Link] Der Stadtkommandant von Halle lässt daraufhin alle neun Saale-Brücken sprengen (Hafenbahnbrücke, Genzmerbrücke, Siebenbogenbrücke, Gimritzer Gutsbrücke, Peißnitzbrücke, Schwanenbrücke und Giebichensteinbrücke). [Literaturverweis] 15.04.1945: Der NSDAP-Gauleiter des Gaus Halle-Merseburg und Oberpräsident der Provinz Merseburg, Joachim Albrecht Eggeling, erschießt sich auf der Moritzburg. 19.04.1945: Amerikanische Truppen sind im gesamten Stadtgebiet. Für Halle ist der Krieg zu Ende. 27.04.1945: Die Amerikaner erlauben die Öffnung des halleschen Bergzoos. Bilanz des Zweiten Weltkrieges in Halle (Saale): mehr als 500 Fliegeralarme, 1000 Tote, 13.000 zerstörte Wohnungen, große Schäden an 400 Betriebe und Kultureinrichtungen wie dem Stadttheater, 300.000 Kubikmeter Schutt, geschätzer Gesamtschaden in Höhe von 90 Millionen Euro.
Lager und Zwang
Beiträge zur NS-Zeit
Adreßbuch aus der NS-Zeit Zeitungsmeldungen der Hallischen Nachrichten
2. Juni 1943: Unser Gau spendete 1.129.085 RM / zur zweiten Haussammlung für das Kriegshilfswerk / Die am 28. Mai durchgefürte 2. Haussammlung für das Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz hat wiederum ein gesteigertes Ergebnis aufzuweisen gegenüber der 1. Haussammlung vom 18. April ... An diesem stolzen Erfolg sind die Kreise Halle (Stadt) mit 176.947,03 RM und der Saalkreis mit 61.632,22 RM beteiligt. Eine gemeine Beleidigung / Brehna. Wegen Beleidigung hatte sich die 42jährige Minna R. aus Brehna vor der 1. Strafkammer in Halle zu verantworten. Sie hatte am 12. April d. J. von einem gewissen B. gesagt: "Der liebe Gott hat ihn schon gestraft, aber noch nicht genug!" Die besondere Gemeinheit dieser Beleidigung liegt darin, daß die Angeklagte mit der "Strafe", von der sie sprach, meinte, daß der Sohn des B. den Heldentod für das Vaterland erlitten hatte. Die Strafe mußte daher fühlbar ausfallen und lautete, obwohl die Angeklagte bisher nicht bestraft war, auf sieben Monate Gefängnis. 1. Juli 1943: Mitteldeutschland / Gegen die Felddiebstähle / Der Regierungspräsident in Merseburg gibt bekannt: "Trotz des bestehenden Verbots des unbefugten Betretens und Befahrens bestellter und noch nicht abgeernteter Felder und Wiesen sowie der Aecker, deren Bestellung in Angriff genommen oder vorbereitet ist, wird mir von den mit der feld- und forstpolizeilichen Aufsicht betrauten Dienststellen eine erhebliche Zunahme der Felddiebstähle gemeldet ..." 3./4. Juli 1943: Tag der HJ-Sondereinheiten / Gebietswettkämpfe der Hitler-Jugend in Halle / In Halle werden an diesem Wochenende zum "Tag der Sondereinheiten" die Gebietswettkämpfe der Marine-, Flieger- und Nachrichten-Hitler-Jugend durchgeführt ... Am Sonnabendvormittag finden die technischen Wettkämpfe der Nachrichten-HJ in der Luftnachrichtenschule und auf der Peißnitzwiese gegenüber der Heeresentlassungsstelle statt. Die Modellflieger führen ihre Wettkämpfe am Sonnabendvormittag in der Segelflugübungsstelle Franzigmark durch, während sich die fliegerhandwerklichen Wettkämpfe in der NSFK-Segelflugwerkstatt Pfäzerstraße 22 abwickeln. Ebenfalls am Sonnabendvormittag tragen die Marine-Hitkerjungen ihre marinetechnischen Wettkäpfe an der Nachtigalleninsel aus ... 1. November 1943: Rokokogesellschaft bei Spiel und Tanz / Veranstaltung des BDM-Werkes "Glaube und Schönheit" / Zu einer frohen Stunde mit "Lied, Spiel und Tanz um Achtzehnhundert" hatte gestern das BDM-Werk "Glaube und Schönheit" des Bannes Halle zahlreiche Gäste in den Thalia-Saal gebeten. ... Voll natürlicher Anmut fügten sich alle in ihre Rolle ein und verliehen so dem Fest von anno dazumal einen farbenfrohen Glanz. Mit herzlichem Beifall dankten die Gäste, unter ihnen Gebietsmädelführerin Käthe Lorenz, für die gelungenen Darbietungen. Künstler als Kämpfer für nationalsozialistische Ideale / Unser Gauleiter sprach auf der Kundgebung der Kulturschaffenden in Halle - Hans Jungnickel Träger des ersten Gaukulturpreises Leben in Halle Kinos (11): Ufa Alte Promenade, Ufa Ritterhaus, Ufa Riebeckplatz, CT Gr. Ulrichstr. 51, Ringtheater (Waisenhausring 8), Schauburg (Gr. Steinstr.), To-Bü (Ammendorf), Troli (Trotha-Lichtspiele), Oli, Capitol, Burgtheater
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