Chronologie der Ereignisse nach der Wende (Ende des sozialistischen Staates DDR)
1990
17. März: Das ehemalige SED-Bezirksorgan "Freiheit" (SED-Zeitung für den Bezirk Halle = südliches Sachsen-Anhalt) erscheint nach dem Kauf durch den DuMont-Verlag aus Köln erstmals als "Mitteldeutsche Zeitung"
Halles Eissporthalle, die zu DDR-Zeiten sogar in den Schulunterricht integriert war, wird geschlossen.
Mai: OB Peter Renger gibt auf, nachdem er 122 Tage lang mit Stasi-Vorwürfen konfrontiert wurde. Sein Nachfolger heißt Klaus Rauen, Rechtsanwalt und Oberstadtdirektor aus Bonn.
2. Mai: Gründung der GWG, die den Großteil des Wohnungsbestandes in Neustadt führt.
30. Juni: Der VEB Gebäudewirtschaft Halle wird in die Hallesche Wohnungs- und Grundbesitz AG (HWG) umgewandelt.
1. Juli: In Halle wird die D-Mark verteilt. Alle Spareinlagen werden 1:1 und 1:2 umgetauscht, alle Schulden auch, so dass zum Beispiel auf den Baustellen plötzlich alle Kräne stillstehen. Außerdem brechen die Ostmärkte weg. In Halle ist vor allem der Waggonbau Ammendorf betroffen, der das Gros seiner Reisewaggons in die Sowjetunion liefert. Kanzler Kohl verspricht im Fernsehen blühende Landschaften in wenigen Jahren.
8. Juli: Deutschland gewinnt im Fußball-WM-Finale in Turin (Italien) mit 1:0 gegen Argentinien.
In Halle löst das große Euphorie aus. Vor allem Jugendliche ziehen zu Halles Marktplatz
für ein Freudenfest. Einige missbrauchen die Gelegenheit und zeigen die Reichskriegsflagge.
Die Produktion der Lettiner Porzellanmanufaktur (gegr. 1858) wird stillgelegt.
Sparkassen-Skandal: Nur wenige Monate nach der Währungsunion fabriziert die Stadt- und Saalkreissparkasse Halle den bis dahin größten Bankenskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die arglosen ostdeutschen Sparkassenangestellten verleihen fast 700 Millionen Mark an westdeutsche Kreditnehmer, die große Investitionsvorhaben vorgauckeln, das Geld aber wegschaffen und verjubeln. Am Ende belaufen sich die Verluste auf 434 Millionen Mark. Jahrelange Ermittlung können den immensen Schaden nicht reparieren. mehr
13. Dezember: Das Anzeigenblatt "Wochenspiegel" aus dem Hause Dumont erscheint erstmals in Halle.
1991
10. Mai: Bundeskanzler Helmut Kohl besucht siegesgewiss Halle Saale und wird mit Pfiffen und Eiern empfangen. Mit dem Eierwerfer will er sich prügeln. Sicherheitsbeamte können ihn nur mit Mühe zurückhalten.
29. Mai: Die Stadt Halle tilgt die Ehrenbürgerschaften von Paul von Hindenburg, Adolf Hitler und Hermann Göring.
Skandal bei der kommunalen Wohnungsgesellschaft HWG (vormals Gebäudewirtschaft): Der Aufsichtsratsvorsitzende Dirk Bettels schanzt seinem Familien- und Freundeskreis über nicht ausgeschriebene Aufträge Millionen zu, enthüllt die "Mitteldeutsche Zeitung".
Juni: Die Ehrenbürgerwürde wird an Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher verliehen.
7. Juli: Halles OB Klaus Peter Rauen verabschiedet die in Halle stationierten sowjetischen Truppen. 1945 hatten sie unter anderem die ehemalige Wehrmachtsgarnision Heide-Süd bezogen. In der ehemaligen Landesheilanstalt hatten die "Russen" ein Offizierslazarett und ein Garnisionsgefängnis eingerichtet. Die Anstaltskirche nutzten sie als Turnhalle. Die Altlastensanierung wird Halle noch auf Jahre beschäftigen und viel Geld kosten. In der General-Maerker-Kaserne war die 27. Garde-Mot.-Schützen-Division (MSD) stationiert.
Die Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA) wird gegründet. Ihr Hauptsitz ist Halle an der Saale. Aufgabe der Anstalt ist es, privaten Rundfunkanbieter, Fernsehanstalten und Telemedien zu überwachen und Sendelizenzen zu vergeben.
1992
1. Januar: Ab sofort können alle Bundesbürger Einsicht in die Unterlagen des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR beantragen. In einem früheren Stasigebäude am Gimritzer Damm in Halle ist eine Außenstelle der von Joachim Gauck geleiteten Behörde (Gauck-Behörde).
Die Konsum-Genossenschaft (KONSUM), einst zweitmächtigste Handelsorganisation der DDR, ist pleite. Ungünstige Kreditkonditionen
und aggressive Westhändler haben den KONSUM in die Knie gezwungen. In zehn Jahren wird das bis dahin größte Konkursverfahren
(Forderungen 700 Millionen DM) verhandelt.
Das Verfahren wird zu einem Skandal. Im Zentrum des Skandals werden Siegfried Baron von Hohenhau (Jahrgang 1950) aus München
(inzwischen Sao Tome) und Amtsgerichtspräsident Hans Haarmeyer in Halle stehen.
Mehr dazu hier und hier.
Juli: Unbekannte wollen die Stasi-Vergangenheit nicht Gauck überlassen und werfen eine Liste mit Namen ehemaliger Stasi-Mitarbeiter bei der BILD-Zeitung und bei der Mitteldeutschen Zeitung (MZ, vorher Freiheit) ein. Die BILD-Zeitung druckt die Liste in einer Fortsetzungsserie ab dem 13. Juli, bis ein Gericht die Veröffentlichung stoppt. Viele bekannte Namen tauchen auf und einige bestreiten die Zusammenarbeit mit dem MfS. mehr
1. Dezember: Der private Radiosender "Radio Brocken" (ein Ableger der Sendergruppe RTL) nimmt in Halle-Trotha den Sendebetrieb auf.
Der Bau an Europas größtem Gewerbepark hat in Halles Osten an der B6 begonnen. Gebaut wird er auf einem ehemaligen Tagebaugelände, auf dem zuletzt eine Ziegelei und ein Kraftwerk gestanden haben.
1993
Juni: Einweihung des neuen Glockenspieles im Roten Turm.
Das Kino "Goethe-Lichtspiele" am unteren Boulevard wird abgerissen.
Oktober: Halle erhält eine Goldmedaille im Städtewettbewerb für Altstadtsanierung.
Der Radioverein Corax, aus dem später das gleichnamige Bürgerradio hervorgeht, wird gegründet. Zu den Protagonisten gehört Thomas Kupfer.
1994
Halles Stadtwirtschaft führt die Mülltrennung ein.
April: Halle erlebt ein großes Hochwasser. Am 16. April erreicht die Saale mit 6,83 Meter am Unterpegel Halle-Trotha einen historischen Höchststand. Das war mit mehr als vier Metern über Normalstand laut Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt ein Hochwasser mit einer Wiederholungszeitspanne von 40 Jahren. (ein Irrtum, wie sich im Januar 2011 herausstellte, denn nach nur knapp 17 Jahren war es schon wieder soweit)
In Halle erscheint die erste Ausgabe der SonntagsNachrichten, einer Anzeigenzeitung zum Sonntag.
Der auf Kinderbücher spezialisierte Postreiter Verlag in Halle geschlossen und
mit dem Kinderbuchverlag Berlin (ein ebenfalls privatisierter, ehemaliger volkseigener Verlag) zusammengelegt.
Der im Juli 1947 von Gustav Koepper als Kommanditgesellschaft gegründete und 1972 endgütig und vollständig
verstaatlichte Verlag war im Juni 1990 wieder privatisiert worden. Danach hatte im Dezember 1990 der Münchner
Sellier Verlag des Kinderbuchverlegers Hans Meisinger das Haus für eine DM übernommen. 1998 wird der
Verlag beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels abgemeldet.
1995
Im Charlottenviertel nahe der oberen Leipziger Straße wird das CharlottenCenter eröffnet. Es ist eine schwere Geburt. Es wird Jahre dauern, bis sich das Haus als Freizeitzentrum einigermaßen stabilisiert.
Ein Investor aus München will das desolate Solbad Wittekind zum Seniorenstift umbauen. Das Vorhaben wird an den denkmalschützerischen Ambitionen der Stadt Halle scheitern und viele weitere Jahre verfallen.
In Halle-Bruckdorf an der B6 beginnt der Bau des Halleschen Einkaufspark (HEP).
Ende des Jahres wird die Tageszeitung "Hallesche Tageblatt" (Nachfolger der seit 18. Dezember 1945 erschienenen DDR-Zeitung LDZ = Liberaldemokratische Zeitung) komplett eingestellt. Gemäß einer Absprache zwischen den Mediengiganten Springer-Verlag (Bild-Zeitung und Hallesches Tageblatt) und Dumont-Verlag (Mitteldeutsche Zeitung und Express) hat Dumont sein Boulevard-Blatt vom Mark genommen und Springer die Tageszeitung. Damit erscheint nur noch der Freiheit-Nachfolger. Bereits im Juli 1991 war das Tageblatt der "Leipziger Volkszeitung" zugeordnet worden. Zuletzt waren die Auflagenzahlen deutlich zurückgegangen.
1996
Mai: Baubeginn an der "Spitze", gebaut werden das MDR-Funkhaus (MDR = Mitteldeutscher Rundfunk), Bürogebäude für die Stadtwerke Halle und die Konzerthalle Händel-Halle. Bei den Bauvorbereitungen werden Betongründungen entfernt, die die DDR Ende der 1980er Jahre eingebracht hatte für einen bereits in den 1960er Jahren geplanten Kulturpalast.
11. September: 5.36 Uhr wackeln für 20 Minuten die Wände in Halle. Der Einsturz des Ostfeldes der Kalisalzgrube Teutschenthal hat ein Erdbeben der Stärke 5,0 ausgelöst. Die Hallenser kommen mit dem Schrecken davon. Es gibt keine nennenswerten Schäden. Dem Einsturz ist der offenbar unsachgemäße, bis in DDR-Zeiten zurück reichende Betrieb der Grube vorausgegangen.
1997
Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten des kontaminierten, ehemaligen Garnisionsgeländes (erst Wehrmacht, dann Sowjetarmee) zwischen Neustadt und Heide wird das Neubaugebiet "Heide-Süd" begonnen. Die Stadt Halle hat die Bundesliegenschaft gekauft und plant Wohnen und Forschen.
Halle hat wieder ein Ritter-Kaufhaus. Im Krieg schwer zerstört wurden die Gebäudereste in der DDR weiter genutzt (u.a. für das Kino "Goethe-Lichtspiele"). Nach dem Totalabriss der Gebäudereste nach der Wende entstand ein moderner Neubau.
Die Maler Thomas Rabisch, Christian Weihrauch und Bernd Baumgart hinterlassen im Hinterhof des neu erbauten Hotel Europa an der Delitzscher Straße ein riesiges Wandbild mit halleschen Sehenswürdigkeiten wie Marktkirche, Kühler Brunnen und Händel-Denkmal, historischen Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe, Karl Marx und Erich Honecker, halleschen Originalen wie Zither-Reinhold sowie halleschen Promis jener Zeit wie OB Klaus Rauen, Ex-Außenminister und Ex-Hallenser Hans-Dietrich Genscher. Auf dem Bild tauchen auch zwei Hütchenspieler auf, die stellvertretend für eine Anfang der 90er Jahre in Halles Haupteinkaufsstraße Leipziger Straße beliebte Betrugsmasche stehen, wo Menschen viel Geld verloren, weil sie zu wissen glaubten unter welchem Hut sich der Kunststoffball befindet.
26. September: Bei einem Spiel der halleschen Fußballvereine HFC und VfL Halle 96 stürzt der Fallschirmspringer Matthias Becker vom FSC Halle-Oppin, der mit dem Ball in das Kurt-Wabbel-Stadion einschweben sollte, ungebremst in den Kassenbereich. Der Springer und drei weitere Menschen kommen ums Leben. Die Toten waren 18, 21, 28 und 37 Jahre alt. mehr
Oktober: Das Dorint Hotel Charlottenhof im Charlottenviertel am Riebeckplatz wird übergeben.
1998
5. April: Das hallesche Stadtfernsehen "TV Halle" nimmt den Sendebetrieb auf. Der Versuch in den Folgejahren, mit dem Halle-Saale-Fernsehen (hs-f) ein weiteres Stadtfernsehen zu etablieren, wird scheitern.
Baustart für Straßenbahn nach Halle-Neustadt.
Der städtische Haushalt ist erstmals nicht ausgeglichen. Doch noch kann Halles OB Klaus Rauen von den Rücklagen leben.
30. Oktober: Nach jahrelangem Leerstand und der teilweisen Sanierung der Anlagen wird Halles Eissporthalle wiedereröffnet. Die ehemals kommunale Einrichtung wird nun privat betrieben von zwei ehemaligen Eishockey-Spielern.
1999
Baubeginn für neue "Rolltreppe" (Kaufhaus mit Rolltreppe).
Die Frankonia Wohnbau GmbH & Co. KG aus Nettetal, das Architekturbüro Kister Scheithauer Gross aus Köln und die Kaufhof AG ebenfalls aus Köln setzen sich gegen Mitbewerber Karstadt AG durch beim Wettbewerb um einen Kaufhaus-Neubau auf der Nordost-Ecke des halleschen Marktplatzes.
1. April: In Halle-Beesen wird das Spaßbad "Maya mare" eröffnet.
Der Um- und Neubau des Krankenhauses St. Elisabeth & St. Barbara ist abgeschlossen.
September: Das mdr-Funkhaus öffnet auf der "Spitze".
2000
Das freie, rundfunkgebührenfinanzierte Bürgerradio Radio Corax geht auf Sendung.
10. März: Eine Dachdeckerfirma löst bei Arbeiten am Dach der Stephanuskirche einen Brand aus. Bei dem spektakulären Feuer wird die Turmspitze zerstört. Im Zuge der notwendigen Löscharbeiten entsteht ein immenser Schaden an Büchern der Universitätsbibliothek, die die Kirche als Magazin nutzt.
Am Flughafen Halle-Leipzig wird die neue Start- und Landebahn Nord in Betrieb genommen. Fortan sind im 24 Stunden-Betrieb Interkontinentalflüge möglich.
2001
1. Juli: Mit dem "Halleforum" startet in Halle eine Internet-Plattform, die sich in den Folgejahren zu einem von den ortsansässigen
Zeitungen als Konkurrenz wahrgenommenen Nachrichtendienst entwickelt.
11. September: Schockiert schaut die Welt auf das World Trade Center in New York. Zwei Flugzeuge sind hineingeflogen.
Die Häuser brennen und stürzen komplett ein. Fortan ist vom islamistischen Terror die Rede, doch es gibt auch
andere Therien. Tausende Menschen sterben. Auch Hallenser zünden für sie Kerzen an. Die Stadt schickt Hilfskräfte.
2002
Die Bundeskulturstiftung zieht nach Halle. Für den Standort Halle hat sich der Schriftsteller Günther Grass stark gemacht.
Erster Spatenstich für die S-Bahn Halle-Leipzig.
Die Deutsche Bahn AG legt die elektrifizierte S-Bahn-Strecke zwischen Halle-Nietleben und Halle-Dölau still. Später werden sich Freunde der Halle-Hettstedter-Eisenbahn dafür interessieren.
21. Dezember: Eine Gasexplosion verwüstet an der Stephanuskirche einen ganzen Straßenzug. Ein Wohn- und Geschäftshaus ist völlig zerstört. Im Zuge kriminalpolizeilicher Ermittlungen wird sich später herausstellen, dass eine Gasleitung bewusst manipuliert wurde. Der Hausbesitzer wird 2004 verurteilt werden, weil er die Versicherungssumme kassieren wollte. mehr
2003
Überlebende Mitglieder der "Timberwölfe", also jener US-amerikanischen Einheit, die der Stadt Halle 1945 das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte, sind zu Gast in Halle. An der historischen Begegnung maßgeblich beteiligt ist Matthias Maurer, Rechtsanwalt in Halle und Autor eines Buches über die Befreiung Halles und die Rolle Felix Graf von Luckners dabei.
2004
März: Die Schließung des Waggonbaus Ammendorf zeichnet sich ab. Die Waggonbauer protestieren die nächsten Wochen
mehrfach in Halle und Berlin.
Unter Klaus Lellé entwickelt sich die Halloren Schokoladenfabrik, Deutschlands älteste noch bestehende Schokoladenfabrik, hervorragend. Für neue Investitionen braucht das mittelständische Unternehmen viel Geld. Da Kredite bei Banken sehr teuer sind, leiht sich Lellé die Millionen Euro bei den Bürgern. Er gibt Teilhaberschuldverschreibungen mit einer Laufzeit von fünf Jahren aus - Null Risiko für ihn, Risiko für die Bürger. 2009 wird sich zeigen: Alle haben profitiert.
Die Internet-Apotheke "Zur Rose" aus der Schweiz investiert in Halle und baut am Thüringer Bahnhof.
Das Händel-Haus Halle testet kostenlosen Eintritt. So sollen die Besucherzahlen erhöht und Kosten gespart werden. Die Idee kommt aus England. In Halle spricht für die Lösung, dass zwei angestellte Kassierer mehr kosten, als durch Eintrittsgelder reinkommt.
Mai: Der Galeria Kaufhof-Neubau am halleschen Marktplatz wird eröffnet. Im Vorfeld hatte es Streit um dessen Bau und die Bauausführung gegeben. Der Dezernent für Planen und Bauen, Rainer Tepasse, stolperte im Vorfeld des Baus über die pikanten Verbindungen seines Vorgängers im Planungsdezernat zur Frankonia.
August: Wütende Proteste gegen "Hartz IV" erschüttern Deutschland. Auch in Halle gehen Tausende auf die Straße. Montagsdemos heißen die Proteste, doch anders als 1989 in der DDR ist es nur ein kurzes Aufbäumen gegen die soziale Ungerechtigkeit.
2005
April: Halles Polizeidirektion zieht in einen Neubau an der Merseburger Straße. Die Beamten können endlich das überalterte,
völlig heruntergekommene Polizeipräsidium in der Dreyhauptstraße verlassen.
Der Liedermacher und Autor Stephan Krawczyk erhält in Halle den Preis der Lutherstädte "Das unerschrockene Wort".
Beginn des Marktplatz-Umbaus: Graue Steine aus China sollen als Pflaster verwendet werden. Vorher graben Archäologen Bemerkenswertes aus dem Mittelalter aus - darunter eine alte Latrine, ein Kaufhaus und einen Friedhof mit zahlreichen Skeletten.
In der Delitzscher Straße bricht ein alter Abwasserkanal ein und reißt ein großes Loch in den Asphalt. Ein Wunder, dass keiner zu Schaden kommt.
Juni: Halle bekommt einen Kinderfreitisch. Fortan gibt es in der Kindereinrichtung "Krokoseum" an den Franckeschen Stiftungen kostenlos Essen für Kinder aus bedürftigen Familien. In Halle ist die Zahl solcher Kinder inzwischen erschreckend hoch.
Dell kommt nach Halle: Der amerikanische Computerhersteller startet im Herbst ein Call Center mit 300 Mitarbeitern und will auf 1000 aufstocken. Für seinen Büro-Neubau an der Raffineriestraße reißt Dell die alte Zuckerfabrik ab.
August: Die ersten Mieter ziehen ein in das Mitteldeutsche Multimedia Zentrum (MMZ).
Zum Jahresende ist endgültig Schluss mit dem Traditionsbetrieb Waggonbau Ammendorf. Der kanadische Konzern Bombardier schließt den Standort Halle.
2006
Halle feiert 1200 Jahre. Die Feier bezieht sich auf die Ersterwähnung der Stadt 806. Erst 1961 waren 1000 Jahre gefeiert worden mit Bezug auf eine Schenkungsurkunde von 961.
Der umgebaute Riebeckplatz wird übergeben: Der Fußgängertunnel wurde aufgebrochen, die Straßenbahn unter die Straße verlegt und der Verkehrskreisel verkleinert. Zuletzt war der Platz in der DDR Ende der 60er Jahre angefasst und radikal modernisiert worden mit Verkehrskreisel, Straßenbahn und "Zuckerhut", Nord-Süd-Straßenbrücke und Fußgängertunnel zwischen Leipziger Straße und Hauptbahnhof. So sieht es da aus.
Die neue Berliner Brücke wird übergeben, die alte aus der Kaiserzeit abgerissen.
Dagmar Szabados (SPD) wird Halles neue Oberbürgermeisterin. Im Wahlkampf wurde sie vom ehemaligen Oberürgermeister Klaus Rauen (CDU) gegen ihren CDU-Mitbewerber Bernhard Böhnisch unterstützt.
2007
März: Erstmals können alle Bürger den Haushaltsentwurf der Stadt Halle Saale im Internet finden.
Die Stadt ist in Geldnöten, etliche Schul- und Kindergartengebäude sind in einem traurigen Zustand. Halle macht, was in Mode gekommen ist: Public Private Partnership (PPP) heißt der Handel zwischen öffentlicher Hand und privater Wirtschaft, der die Sanierung der Gebäude ermöglicht. Die Stadt lebt auf Pump, die Rechnung kommt später.
Die Kaserne an der Heide in Lettin wird geschlossen. Bis dahin waren Teile eines Sanitätsbataillon dort stationiert.
September: Die der Gedenkstätte "Roter Ochse" macht Karteikarten mit Namen, Fotos und anderen personenbezogenen Daten von Mitarbeitern der Bezirksverwaltung des MfS öffentlich zugänglich.
2008
Halle feiert das erste Hansefest. Halle war von 1281 bis 1521 Mitglied der Hanse und ist 2001 dem Nachfolgeverein "Die Hanse" beigetreten.
Sommer: Halle ist Gastgeber für das internationale Kulturereignis "Theater der Welt".
Herbst: Laut einer EU-Statistik ist die Stadt Halle Saale in Europa die Stadt mit den meisten Regentagen. Zu Grunde gelegt werden die Daten des Jahres 2004, in dem es in Halle an 266 Tagen regnete.
2009
Möbelhändler Helmut Lührmann übernimmt das leerstehende Karstadt-Kaufhaus (ehemals Centrum-Warenhaus).
Schlagabtausch S+K und HWG: Der Kabelfernsehmonopolist S+K (hervorgegangen 1990 aus der zu DDR-Zeiten stadtbeherrschenden Gebäudewirtschaft) wirft der HWG in ganzseitigen Zeitungsanzeigen Unehrlichkeit und Charakterlosigkeit vor. Vorausgegangen war ein Streit über die Fortsetzung des Versorgungsauftrags bei der HWG. S+K hätte gerne einen Vertrag für 15 Jahre geschlossen, die HWG hatte das zurückgewiesen und einen möglichen Vertragsschluss mit einer horrend teuren Provisionssumme belegt.
2010
März: Halle beschließt die Bewerbung um den Titel "Stadt der Wissenschaft 2012".
Juni: Die HWG beginnt mit dem Abriss des 22-geschossigen Nordturms am westlichen Riebeckplatz. Sechs Jahre nach einem entsprechenden Aufsichtsratsbeschluss des kommunalen Wohnungsunternehmens haben sich die Abrissbefürworter gegen alle Proteste und Einwände durchgesetzt.
In einer alten Kaligrube bei Angersdorf will die Bergbaunachfolgegesellschaft GTS Giftmüll einlagern. Offiziell ist von Versatz die Rede. Mit extrem problematischen Stoffen belastete Filterstäube, vor allem aus Müllverbrennungsanlagen, sollen die riesigen unterirdischen Kavernen verfüllt werden. Viele Bürger protestieren, im August wird das Verfahren vorerst ausgesetzt.
Sommer: Der Neubau der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) in der Leipziger Straße wird fertiggestellt. Damit verschwindet auch ein lange Jahre verlodderte Hinterhofsituation.
September: Die ersten Live-Übertragung eines Konzerts in 3D geht von Halle aus. Gezeigt wird der Auftritt der Stuttgarter Hip-Hop-Band "Die Fantastischen Vier" (Fanta4) im Steintor Varieté Halle.
Oktober: Halles Stadtverwaltung wird als die bundesweit recyclingpapierfreundlichste ausgezeichnet.
Halle bewirbt sich um den Titel "Stadt der Wissenschaft 2012".
2011
Februar: Die ZDF-Fernsehsendung "Wetten, dass ...?" mit Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker gastiert zum dritten Mal in Halle.
März: Halle bekommt 50.000 Euro für die Bewerbung um den Titel "Stadt der Wissenschaft". Den Titel geht allerdings an die Hansestadt Lübeck. Halle erklärt, sich 2012 trotzdem als Stadt der Wissenschaft zu präsentieren.
Mai: "Halle blockt" heißt eine hallesche Initiative unter Beteiligung der OB, die Flagge zeigt gegen den Aufmarsch der Neonazis am "Tag der Arbeit" in Halle.
19. bis 22.Mai: In Kaunas (Litauen) wird der 31. Internationale Hansetag abgehalten. Halle ist mit einer Delegation vertreten.
Juli: Halle hat 266 Millionen Euro Schulden. Das Land Sachsen-Anhalt plant weitere Kürzungen, hat selbst über 20 Milliarden Euro Schulden. Im Verbund mit Magdeburgs OB wirft Halles OB Dagmar Szabados dem Landesfinanzminister Jens Bullerjahn vor, den Landeshaushalt zu Lasten der Kommunen sanieren zu wollen.
September: Das bisher namenlose Gewerbegebiet an der B6 u.a. mit Halleschem Einkaufspark (HEP) und Halle Messe geht mit dem Name "MesseHandelsCentrum HalleSaale" in die Offensive.
Dezember: Das ehemalige Freimaurer-Haus auf dem Jägerberg (zu DDR-Zeiten Tscherny-Haus) ist fertigsaniert. Deutschlands Nationalakademie Leopoldina zieht ein.
2012
11. Januar: Bombenfund in Ammendorf - nur knapp zwei Monate nach dem Fund einer amerikanischen 250 Kilogramm-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg in Halles Innenstadt stößt ein Baggerfahrer an der Elsterbrücke nahe der B91 auf eine 125 Kilogramm-Fliegerbombe. Diesmal fehlen allerdings beide Zünder.
12. Januar: Deutschlands dienstältester Hoteldirektor, Bertram Thieme, feiert sein 35-jähriges Dienstjubiläum. 1977 wurde er Chef das Interhotels Stadt Halle, das nach der Wende zum Maritim wurde. Seit 16 Jahren ist er Chef des Dorint-Hotels im Charlottenviertel.
Juni: Halle wählt einen neuen Oberbürgermeister.
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